4 Olivenöle, die man besser nicht kauft: 60 Millions de consommateurs schlägt Alarm

Nicht jede Flasche hält, was das Etikett verspricht. Ein aktueller Test sorgt für Stirnrunzeln.

In Frankreich hat das Verbrauchermagazin 60 Millions de consommateurs beliebte Olivenöle geprüft. Die Redaktion stieß auf Rückstände, die man im Alltag nicht auf dem Teller haben will. Die Hinweise betreffen auch Käufer in Deutschland, denn Lieferketten und Marken überschneiden sich oft.

Was die Tester fanden

Das Magazin untersuchte 24 gängige Olivenöle. Die Redaktion prüfte Sensorik, Kennzeichnung und vor allem mögliche Verunreinigungen. Der Fokus lag auf Weichmachern aus Kunststoffen und Kohlenwasserstoffen, die in Lebensmittel migrieren können.

Vier Produkte fielen durch erhöhte Werte bestimmter Phthalate auf. Genannt werden insbesondere DEHP und DBP. Diese Stoffe stehen in der Diskussion, weil sie das Hormonsystem stören können. Auch reprotoxische Effekte sind in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben.

Vier getestete Olivenöle weisen laut 60 Millions de consommateurs hohe Werte an DEHP und DBP auf – ein klares Warnsignal für Vielnutzer.

Die vier Marken im Fokus

  • Naturalia Vierge Extra “Like a Virgin”
  • La Vie Claire Vierge Extra
  • Terra Delyssa Vierge Extra
  • Cauvin Bio “La Bio”

Das Magazin rät vom Kauf dieser Flaschen ab. Wer regelmäßig Olivenöl verwendet, sollte laut Testbericht auf Alternativen ausweichen. Nicht jedes Produkt ist betroffen, doch bei den genannten vier fallen die Messwerte aus dem Rahmen.

Wie Schadstoffe ins Olivenöl gelangen

Phthalate können aus Kunststoffkontaktmaterialien in Lebensmittel übergehen. Dazu zählen Dichtungen in Deckeln, Innenbeschichtungen, Schläuche in Abfüllanlagen oder Verpackungen aus Kunststoff. Kohlenwasserstoffe stammen häufig aus mineralölhaltigen Schmiermitteln, aus recycelten Kartons oder aus Druckfarben.

Die Tester verweisen darauf, dass solche Substanzen im Zutatenverzeichnis nicht auftauchen. Nur Laboranalysen legen die Spuren offen. Genau deshalb trifft die Warnung viele Verbraucher kalt, denn das Etikett verrät die Risiken nicht.

Stoffgruppe Beispiele Mögliche Quelle Mögliche Wirkung
Weichmacher (Phthalate) DEHP, DBP, DINP Deckeldichtungen, Schläuche, PET, Technik Endokrine Effekte, reprotoxische Risiken
Kohlenwasserstoffe MOSH/MOAH Schmierstoffe, Karton, Druckfarben Bioakkumulation; MOAH teils bedenklich

Die Migration geschieht unsichtbar. Dunkle Glasflasche, saubere Prozesse und passende Dichtungen senken das Risiko deutlich.

Was das für Käufer in Deutschland bedeutet

Ein Teil der untersuchten Marken wird international vertrieben oder hat vergleichbare Schwesterprodukte. Deshalb lohnt der Blick auf Verpackung und Herkunft auch hierzulande. Wer viel Olivenöl nutzt, profitiert von einigen einfachen Vorsichtsmaßnahmen.

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Praktische Einkaufstipps

  • Bevorzugen Sie dunkle Glasflaschen. Sie schützen vor Licht und benötigen keine Weichmacher.
  • Achten Sie auf “nativ extra” und ein Erntejahr. Frische Öle schmecken sauberer und sind oft besser geschützt.
  • Kurze Lieferketten helfen. Herkunft und Abfüller sollten nachvollziehbar sein.
  • Bio ist hilfreich, aber kein Freifahrtschein gegen Verpackungsmigration.
  • Riechen und probieren Sie: Fruchtig, grasig, leicht bitter und pikant wirkt typisch. Muffig oder wachsartig deutet auf Probleme.
  • Kaufen Sie lieber kleinere Flaschen, die Sie zügig verbrauchen.

Kochen, Aufbewahren, Risiken senken

Lagern Sie Olivenöl kühl, dunkel und gut verschlossen. Wärme und Licht beschleunigen Oxidation und können die Abgabe von Stoffen aus Dichtungen begünstigen. Die Flasche gehört nicht neben den Herd und nicht auf die Fensterbank.

Falls Ihr Lieblingsöl nur in Kunststoff kommt, füllen Sie es zu Hause in eine saubere, geruchsneutrale Glasflasche mit passendem Verschluss um. Das reduziert den Kontakt zu potenziellen Quellen von Weichmachern.

Beim Braten arbeitet Olivenöl solide, solange die Temperatur unter dem Rauchpunkt bleibt. Für starkes Anbraten eignen sich hitzestabile Öle besser. Für Dressings, Dips und Finishing spielt natives Olivenöl seine Stärken aus.

Wer Öl aus Kunststoff kauft, kann nach dem Öffnen in Glas umfüllen. So minimieren Sie den Kontakt zu risikobehafteten Materialien.

Rechtliche lage und offene fragen

In der EU gelten für Materialien mit Lebensmittelkontakt spezifische Regeln. Für einzelne Phthalate existieren strenge Einschränkungen und Migrationsgrenzwerte. Hersteller müssen sichere Materialien nutzen und ihre Prozesse validieren. Die Praxis zeigt dennoch: An Schnittstellen zwischen Produktion, Transport und Verpackung treten immer wieder Einträge auf.

Mineralölkohlenwasserstoffe beschäftigen Behörden seit Jahren. Für MOAH verlangen Aufseher besondere Aufmerksamkeit, da einzelne Verbindungen problematisch sein können. Konkrete Beurteilungen hängen vom jeweiligen Befund ab. Testberichte liefern damit wichtige Stichproben, ersetzen aber keine amtliche Marktaufsicht.

Wenn die genannte flasche schon zu Hause steht

  • Prüfen Sie die Chargenangabe und entscheiden Sie selbst, ob Sie die Flasche verwenden möchten.
  • Sie können beim Händler nachfragen und um Kulanz bitten, besonders wenn Sie unsicher sind.
  • Nicht in den Abfluss kippen. Kleinere Restmengen fest verschlossen über den Restmüll entsorgen. Regionale Vorgaben beachten.
  • Für künftige Einkäufe: Glas bevorzugen, kleinere Gebinde wählen, auf frische Ernte achten.

Woran man gutes olivenöl erkennt

Gutes “nativ extra” riecht lebendig: grüne Olive, Tomatenstrauch, Artischocke, Mandelschale sind gängige Noten. Am Gaumen zeigt es Frucht, Bitterkeit und eine saubere, pfeffrige Schärfe. Ein wächserner, ranziger, modriger oder metallischer Eindruck spricht gegen Qualität. Trübungen kurz nach der Ernte sind normal, klare Auszüge im Handel ebenso. Das Etikett benennt idealerweise Olivensorten, Erntezeitraum, Mühle und Abfüller.

Nützliche ergänzungen für den alltag

  • Sensorik-Check zu Hause: 1 Teelöffel in ein kleines Glas, mit der Hand anwärmen, riechen, dann in zwei Schlucken probieren.
  • Preis als Indikator: Extrem billige “nativ extra”-Öle bedeuten oft Abstriche bei Ernte und Verarbeitung.
  • Kombination in der Küche: Milde Öle für Fisch und Gemüse; kräftige, bittere Öle für Tomate, Grillgemüse, Steak-Finishes.

Hintergrund zum Risiko: Phthalate wie DEHP und DBP stehen seit Jahren unter Beobachtung. Behörden bewerten sie als endokrin aktiv und teils reprotoxisch. Die Stoffe können sich im Körper anreichern, wenn die Exposition häufig ist. Deshalb lohnt es sich, Kontaktquellen zu verringern. Bei Kohlenwasserstoffen unterscheiden Fachleute zwischen MOSH und MOAH. MOSH lagern sich im Körpergewebe ab, MOAH enthalten potenziell problematische Verbindungen. Hersteller arbeiten an besseren Dichtungen, Schmierstoffen und Verpackungen.

Die aktuelle Warnung von 60 Millions de consommateurs richtet den Blick auf Prozesshygiene und Materialwahl. Verbraucher gewinnen Handlungsspielraum über Einkauf, Lagerung und Nutzung. Wer Glas wählt, Frische achtet und seine Flasche klug aufbewahrt, senkt das Risiko – und holt gleichzeitig mehr Geschmack aus jeder Portion Olivenöl.

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